Mittwoch, August 10, 2011
Mittelstufenschule überflüssig wie ein Kropf
FWG-Kritik an der Einführung von Mittelstufenschulen
Die Einführung von Mittelstufenschulen stellt ein scheinbares Einlenken auf ein zweiglied-riges Schulsystem dar. In einigen Bundesländern, so auch im Nachbarland Rheinland-Pfalz, wurde die Hauptschule abgeschafft, da dieser Schulzweig seit einigen Jahren mit eher negativen Emotionen besetzt ist.
Die geringe Akzeptanz der Hauptschule ist mittlerweile nicht mehr umzukehren. Bedenkt man, dass die Hauptschule noch bis vor ca. 30 Jahren die Regelschule darstellte und für viele hoch qualifizierte Handwerker, Facharbeiter und Selbstständige die schulische Basis ihres späteren Erfolges darstellte, war dieser Ansehensverlust zunächst nicht vorprogrammiert.
Seit Mitte der neunziger Jahre entscheiden in Hessen allein die Eltern darüber, welche weiterführende Schule das Kind besucht, und das z. T. gegen die qualifizierte Empfehlung der abgebenden Grundschule. Die massive Flucht aus der Hauptschule begann damit. Das Ansehen der Hauptschule wurde damit immer schlechter.
Mit der Einführung der Mittelstufenschule zu Beginn dieses Schuljahres will die derzeitige Landesregierung eine Entwicklung aufhalten, die nicht aufzuhalten ist. Tatsächlich drängt unser Schulsystem in Richtung Zweigliedrigkeit. Sinnvoll wäre nach Ansicht der FWG die integrierte Gesamtschule mit der Möglichkeit des mittleren Bildungsabschlusses in Form von erweitertem Hauptschulabschluss, Realschulabschluss oder der Zulassung zur gymnasialen Oberstufe (G9) auf der einen Seite und dem Gymnasium (G8) auf der anderen Seite. Die Mittelstufenschule zergliedert das bisherige allgemein bildende System mit Hauptschule, Realschule, Gymnasium (G8), Gymnasium (G9), Förderstufe, integrierter und additiver Gesamtschule noch stärker. Da der Elternwille entscheidet, welche Schulform eine Schülerin bzw. ein Schüler besucht, kommt es zu unsinnig langen Anfahrtszeiten vieler Schüler/innen. So werden Schüler/innen quer durch den Kreis gefahren, obwohl es eine adäquate, wohnortnahe Schule gibt, nur weil die entfernter liegende Schule einen andere Nuance im weiterführenden System anbietet, grundsätzlich aber die gleichen Abschlüsse ermöglicht.
Da die Landkreise die Beförderungskosten zur nächstgelegenen gleichartigen Schule tragen müssen, entstehen hierdurch unnötige Kosten. Mit der Einführung einer weiteren schulischen Variante wird das Lernen nicht verbessert, sondern es werden lediglich Argumente geliefert, die Kinder an andere schulische Standorte transportieren zu lassen. Längeres gemeinsames Lernen bedeutet aber auch, dass Schüler/innen wohnortnah unterrichtet werden und die unsinnige Konkurrenz der Schulen um Schülerzahlen eingeschränkt wird.
Die Wahl der Eltern zwischen der nächstgelegenen integrierten Gesamtschule oder dem nächstliegenden Gymnasium (G8) reicht völlig aus, um die Bildungschancen der Kinder zu gewährleisten. Unnötige Transportkosten und überflüssige Busfahrtzeiten könnten so vermieden werden. Eine Mittelstufenschule, wie sie von der Ministerin geplant ist, verbessert das schulische Angebot nicht. Sie erhöht lediglich die Kosten, auch für die Schulträger. Sie ist nach Ansicht der FWG überflüssig
Rüdiger Staffel, Borken, bildungspolitischer Sprecher der FWG - Fraktion